Bei Erdöl und Erdgas könnte Knappheit drohen


Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W.

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Eine solche Verstaatlichung gefiel dem Westen aber leider ganz und gar nicht. Die Regierungen des Westens boykottierten daraufhin Erdöl aus iranischer Produktion. Aber sie gingen noch einen Schritt weiter. Die Verstaatlichung der Erdölkonzerne wurde umgehend rückgängig gemacht. Nach dem Putsch allerdings verloren die Briten ihre Monopolstellung im Iran, währenddessen die Amerikaner ihre Erdölförderung im Iran ausbauten.

Es war also schwer gegen die mächtigen Erdölkonzerne, die Rückendeckung aus der Heimat bekam, eigene Interessen durchzusetzen. Eigentlich waren die Forderungen der arabischen Länder sehr verständlich. Wer sich näher mit der Bedeutung des Erdöls beschäftigt, stellt schnell fest, dass die militärischen Einsätze im Nahen Osten nur wenig mit den Menschenrechten gemeinsam haben.

Es geht nicht darum, den Menschen mehr Freiheit oder gar Frieden zu geben, sondern es geht darum, die westlichen Staaten mit ausreichend Erdöl zu versorgen. Denn eines ist klar: Damit die Staaten des Nahen Osten ihre Macht, wären sie vereint, nicht nutzen können, ist es unsere Aufgabe für Feindschaften und Kriege in der Region zu sorgen.

Selbst Venezuela, das mit 77 Milliarden Barrel über die grössten Ölvorräte der westlichen Hemisphäre verfügt, wird bei anhaltender Nachfrage nicht in der Lage sein, entstehende Lieferengpässe zu stopfen. Obwohl einige Marktauguren nicht müde werden, den derzeit rekordhohen Ölpreis zu grossen Teilen auf spekulative Tendenzen etwa durch Hedge-Funds abzuschieben, lässt sich ein wachsender Nachfrageüberhang als Hauptursache für den Preisanstieg nicht mehr verneinen.

So zeigt ein Vergleich mit früheren Ölpreisschocks, dass zum ersten Mal nicht politische Ereignisse, sondern in erster Linie eine steigende Nachfrage für die hohen Ölpreise verantwortlich ist. Während etwa Westeuropa seit der grossen Ölkrise Mitte der siebziger Jahre viel unternommen hat, um seine Abhängigkeit vom Erdöl zu drosseln, haben derartige Bemühungen in den USA nie richtig Fuss gefasst. Um einen Dollar Bruttosozialprodukt zu produzieren, benötigen die Amerikaner heute noch über 50 Prozent mehr Erdöl als die Europäer.

Zwar sind die Fortschritte in Europa in grossem Ausmass auf die Verlagerung der industriellen Produktion in asiatische Billiglohnländer zurückzuführen, weil der wachsende europäische Dienstleistungssektor weit weniger Öl benötigt als energieintensive Industrien. Während amerikanische Autos dank rekordtiefen Benzinsteuern gerne 20 Liter oder mehr pro Kilometer verbrauchen, haben es in Europa Autos mit einem Verbrauch von auch nur der Hälfte davon bereits schwer. Wie lange die weltweiten Reserven noch ausreichen, hängt zwar sicher in starkem Masse von dem noch kaum vorhandenen Willen der Amerikaner ab, mittels höherer Benzinsteuern und weiterer Massnahmen zur Eindämmung des Erdölkonsums beizutragen Doch sind es vor allem die aufstrebenden Länder Asiens, die auf der Nachfrageseite die Grenzen des Ölkonsums aufzeigen.

China etwa versucht mit allen Mitteln — selbst mit Investitionen in wenig Erfolg versprechende Ölförderprojekte in Zentralasien —, seine wachsende Nachfrage zu decken. Hält man sich aber vor Augen, dass der Pro-Kopf-Verbrauch an Erdöl in China heute gerade mal bei einem Fünfzehntel dessen der Vereinigten Staaten liegt, lässt sich erahnen, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Der Internationale Währungsfonds etwa geht davon aus, dass aufstrebende Staaten wie China oder Indien in den nächsten fünf Jahren für drei Viertel der steigenden Nachfrage verantwortlich sein werden.

Irritiert zeigt sich der Westen vor allem darüber, dass die neue Preishausse beim Erdöl bisher zu keiner Rezession geführt hat, wie dies bisher bei Ölpreisschocks stets der Fall war.

Dabei gibt es kein deutlicheres Indiz dafür, dass die Erdölpreise sich allmählich in die Richtung bewegen, die ihnen der Markt vorgibt. Glaubt man an die elementaren Grundsätze der Wirtschaftslehre, so ist es nur logisch, dass der Erdölpreis neue Rekordwerte erzielt hat, so wie die Nachfrage und der Verbrauch an Erdöl nie so gross waren wie in eben diesem Jahr. Und Anzeichen dafür, dass die Nachfrage in absehbarer Zeit gedrosselt werden kann, fehlen gänzlich.

Allerdings besteht gerade darin auch die Gefahr, dass die Weltwirtschaft durch weiter steigende Preise arg unter Druck geraten könnte und dass sich inflationäre und rezessive Tendenzen nicht mehr aufhalten lassen. Wenig tröstlich wird es dann sein, wenn der Ölpreis durch eine weltweite Rezession wieder deutlich fällt. Um dies zu verhindern, müsste Saudi-Arabien in der Lage sein, seine Fördermenge massiv zu steigern. So haben die Aussagen von Sadad al-Husseini, der bis an der Spitze der staatlichen saudischen Ölfirma Aramaco stand, wie ein Blitz eingeschlagen.

Diese Menge wäre nötig, um der steigenden Nachfrage der kommenden Jahre gerecht zu werden. Wie Simmons geht aber auch Husseini als einer der profundesten Kenner der saudischen Ölindustrie davon aus, dass das Land diese Menge kurzfristig zwar fördern könnte, dass diese Form der Überproduktion aber schon in unmittelbarer Zukunft zu gravierenden Problemen führen würde.

Um das Öl zu fördern und einen Unterdruck in den grossen Ölfeldern zu vermeiden, werden nämlich Jahr für Jahr immer grössere Mengen an Wasser in die Felder gepumpt. Dabei besteht die Gefahr, dass diese übernutzt werden und grosse Teile des Öls plötzlich nicht mehr gefördert werden können.

Dieses Phänomen ist aus zahlreichen Ländern bekannt. So sind die angeblich neuen Reserven, die in den ehemaligen Staaten der UdSSR gefunden wurden, in erster Linie auf alte, übernutzte Quellen zurückzuführen, die lediglich dank kostspieligen neuen Technologien über kurze Zeit nochmals Öl liefern. Bekanntestes Beispiel für die Folgen von Überproduktion ist Oman. Doch der Niedergang folgte auf dem Fuss: Durch die Übernutzung spielten die Quellen plötzlich nicht mehr mit, und alle neuen Produktionstechnologien konnten den Niedergang nicht aufhalten.

Nur drei Jahre später war Oman gerade noch in der Lage, drei Viertel seiner ursprünglichen Förderkapazitäten aufrechtzuerhalten, Tendenz sinkend.

Anstatt sich auf Energie sparende neue Technologien im Strassenverkehr zu konzentrieren, haben die beiden grossen Ölkonsumenten USA und China vor allem damit begonnen, die anhaltende Nachfrage politisch abzusichern. Und das Säbelrasseln der Vereinigten Staaten gegenüber Venezuela ist charakteristisch für den fehlenden Willen, sich auf die physikalische Realität sinkender Erdölreserven einzustellen.

Bush durch einen ins Gesicht gepfefferten Ball ausser Gefecht setzen. Ausländische, besser ausgebildete Arbeitskräfte werden geholt, um wichtige Positionen zu besetzen. Landwirtschaft ist in den Ländern kaum möglich, auf Grund von schwierigen geografischen und klimatischen Bedingungen. Die Erdölstaaten waren zumeist arme Länder ohne eine wirkliche wirtschaftliche Perspektive, bevor das Erdöl gefunden wurde.

Sie zählen heute zu den reichsten Ländern der Welt, gehören aber trotzdem noch zu den Entwicklungsländern. Ich werde mein Augenmerk deshalb auf die Auswirkungen des Erdöls im Nahen Osten legen, unter der zentralen Fragestellung: Um diese Frage beantworten zu können, werde ich detailiert auf die Entwicklungen eingehen, die das Erdöl in den Förderländern auslöste. Jedes Erdölland, wird in Fachkreisen auch als Rentierstaat bezeichnet.

Was dieser Begriff bedeutet und inwiefern er auf die Ölstaaten zu beziehen ist, werde ich zu Beginn meiner Arbeit klären. Dabei wird auch die besondere Stellung der Staatsbürokratie eine Rolle spielen und wie diese mit der Erdölpolitik in den Förderländern zusammenhängt. Meine Wahl als Stellvertreter für den Nahen Osten fiel auf Kuwait, weil es ein Land mit hoher und langjähriger Erdölförderung ist und welches dadurch eine gut anschauliche Entwicklung genommen hat.

Diese spiegelt auch den Verlauf vieler anderer Staaten der Region wieder. Als Drittes werde ich versuchen die Folgen des Erdölkonsums auf den restlichen Nahen Osten zu erweitern, um als Letztes ein Fazit zu ziehen, und somit die oben genannte zentrale Fragestellung beantworten zu können. Ich werde dabei die Vor- und Nachteile der Erdölförderung im Nahen Osten gegeneinander abwägen um heraus zu finden, ob es wirklich die dortigen Staaten politisch, sozial und wirtschaftlich voran getrieben hat, oder dadurch nur der Anschein erweckt wird.

Im Verlauf der Arbeit werde ich weitere wichtige Fragen im Zusammenhang mit diesem Thema beantworten. Diese Fragen hängen eng mit dem Thema zusammen, weshalb ich versuchen möchte diese mit Hilfe von Fachliteratur zu beantworten.

Das Thema wird in der Literatur verschieden behandelt. Die Frage, ob die Erdölförderung eher positive oder negative Auswirkungen mit sich zog wird kontrovers diskutiert. Einigkeit herrscht darüber, dass sich die Folgen des Rohstoffs in allen Ländern ähneln und vielfältig sind. Darüberhinaus auch wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklungen von Statten gingen, weil sich die Zustände in den Staaten gleichen. Das Thema bietet jedoch in seiner Mannigfaltigkeit viele Bereiche über die geschrieben werden kann.

Weniger Augenmerk lag bisher auf den zwischenstaatlichen Beziehungen der Erdölstaaten und es ist kaum geklärt, ob und inwiefern das Petroleum die innenpolitische Situation der Länder verändert hat. Die Staatsbürokratien nehmen die dominante Rolle im sozialen Gefüge ein, was sich gravierend von den Industriestaaten unterscheidet.

Ihnen ist es erlaubt autonom zu handeln, weshalb sie verhindern können, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen an der Politik teilnehmen dürfen. Die Stellung der Staatsbürokratien in den Erdölstaaten basiert auf der einseitigen Besetzung des Staatsapparats.

Wer regiert, besitzt gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage des Landes. Zur Herrschaftssicherung ist es nötig, der Erdölpolitik einen gesteigerten Wert beizumessen, um eine erfolgreiche Erdölindustrie zu gewährleisten.

Der Erdölsektor ist deutlich produktiver als alle restlichen Bereiche. Es blockiert somit den Verlauf der Industrialisierung und lässt nicht zu, dass Bürgertum und Arbeiterschicht erstarken. Die Erdölstaaten sind so auch viel anfälliger für etwaige Preisstürze, denn während Industrieländer einfach in andere Wirtschaftsbereiche investieren können um diese konkurrenzfähig zu machen und den Schaden auszugleichen, haben die Erdölländer überhaupt keine weiteren Möglichkeiten, in die es sich lohnt, Geld zu investieren.

Zuallererst ist etwas zur Geografie aufzuführen.