Grundsteuer

Stirners»Einziger«, bei Erscheinen im Oktober ein Skandal selbst bei den radikalen Junghegelianern, geriet spätestens mit der politischen Zäsur des Jahres in Vergessenheit.

Wir können die Rückzahlung verweigern, bis wir die Waren wieder zurückerhalten haben oder bis Sie den Nachweis erbracht haben, dass Sie die Waren zurückgesandt haben, je nachdem, welches der frühere Zeitpunkt ist.

Nominierung des Otto-Wagner-Spitals am Steinhof als UNESCO-Weltkulturerbestätte (15/PET)

liebe freunde der klappe! wir machen eine kleine pause! die klappe bleibt bis einschliesslich 1. geschlossen! wir wÜnschen allen ein glÜckliches neues jahr und eine schÖne zeit!

Besonders engagiert ist die Bertelsmann Stiftung auf dem Feld der Hochschulpolitik. Um diesem Einfluss Bertelsmanns auf die Ökonomisierung der Hochschulen auf die Spur zu kommen, muss man ein wenig zurückblicken:. Reinhard Mohn war einer der Gründungsväter und bis vor einigen Jahren der Hauptsponsor der gegründeten ersten deutschen Privaten Universität Witten-Herdecke.

Witten-Herdecke schaffte es allerdings nie so richtig, finanziell auf die Beine zu kommen und wäre der Privaten Uni der Staat nicht zur Seite gesprungen wäre sie wohl schon in den 90er Jahren Pleite gegangen. Reinhard Mohn hat offenbar im Laufe der Zeit erkannt, dass der Weg über die Gründung privater Hochschulen nicht zum Durchbruch für seine Mission führt; schlicht: Viel effizienter erschien ihm daher der Weg, die weitgehend staatlich finanzierten Hochschulen — indem man sie wie private Unternehmen organisiert — in den von ihm propagierten Wettbewerb zu schicken.

Da Wettbewerb und Konkurrenz das entscheidende Steuerungsinstrument sein sollen, steuern vor allem einzuwerbenden Mittel also Drittmittel und Studiengebühren. Damit kein Missverständnis aufkommt, ich wende mich nicht gegen einen Wettbewerb um die besten Forschungsleistungen. Einen solchen Wettbewerb unter Wissenschaftlern hat es immer gegeben.

Wissenschaft — zumal an einer von der Allgemeinheit getragenen Hochschule — ist genuin auf den Wettstreit um die richtige Antwort — pathetisch gesagt — auf den Wettstreit um Wahrheit angelegt.

Diesem Einwand lässt sich auf einer eher theoretischen Ebene entgegentreten, zum Glück inzwischen aber auch empirisch entgegentreten. Dieser eher wissenschaftstheoretischen Frage kann ich hier aus Zeitgründen nicht weiter nachgehen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Doch angesichts der chronischen Unterfinanzierung des Hochschulsystems und aufgrund nicht intendierter Effekte für kollektive Arbeitsprozesse, die Innovation überhaupt erst ermöglichen, kann eine allzu nahtlose Umsetzung des Leitbildes der unternehmerischen Universität alte Innovationsblockaden verstärken oder ganz neue erzeugen.

Die Verfasser der Studie kommen zu folgender Schlussfolgerung: Sie können Innovationen erschweren, ja geradezu blockieren. Denn Innovationen entstünden innerhalb der Universität als Ergebnis weitgehend ungeplanter Prozesse in Nischen, die sich einer direkten Kontrolle entzögen. Sie beruhten auf kollektivem Lernen, setzten Vertrauen und gegenseitige Anerkennung voraus.

Das Centrum für Hochschulentwicklung CHE firmiert als eine private und als gemeinnützig anerkannte GmbH, die von der Bertelsmann-Stiftung mit jährlich etwa eineinhalb bis zwei Millionen Euro finanziert wird. Man erstellt eine Studie oder macht eine Umfrage oder veranstaltet einen Kongress und schafft so einen Medien-Event und die Mainstream-Medien plappern die Ergebnisse in aller Regel unkritisch nach.

Es sind Rankings und Benchmarks und Umfragen, die zunächst von den eigenen Medien verbreitet und dann von den anderen aufgegriffen und multipliziert werden.

Überall dort, wo kein Markt besteht und damit das Steuerungsinstrument des Markt- Wettbewerbs nicht funktionieren kann, also vor allem im öffentlichen Sektor und damit auch bei den staatlichen Hochschulen, musste die Bertelsmann Stiftung wettbewerbliche Steuerungsinstrumente erst noch erfinden und einführen. Da dienen als Fiktion für den Marktwettbewerb eben Rankings und Benchmarks.

Durch diese Rankings soll nicht etwa nur eine Selbsteinschätzung der einzelnen Hochschule ermöglicht werden, sondern es wird vor allem ein an den von der Bertelsmann Stiftung selbst aufgestellten Messkriterien ein Konformitäts- und Anpassungsdruck auf alle Hochschulen ausgeübt.

Das Ziel ist, dass sich die schlechter Platzierten im Wettbewerb an den besser Platzierten messen. Man kann nun lange über die Sinnhaftigkeit von Benchmarks oder Rankings streiten. Über eine Tatsache führt nichts hinweg: Wie bei allen Vergleichsmessungen geht es bei Rankings darum, dass Qualität quantifiziert werden muss. Man muss Qualität in Quantitäten ausdrücken, denn nur so lässt sich vergleichen und messen.

Hinter der Wettbewerbsideologie verbirgt sich aber noch eine ganz andere Zielrichtung. In jedem Wettbewerb gibt es Gewinner und Verlierer. Es gibt die exzellenten Hochschulen und es gibt dann eben auch die weniger exzellenten. Der frühere Innovationsminister Pinkwart hat diese Zielvorstellung ganz offen ausgesprochen: Wir verlieren also eines der weltweit anerkannten Qualitätssiegel der deutschen Hochschullandschaft: Als ehemaliger Staatssekretär im Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen werde ich freundlicherweise noch öfters einmal zu Festveranstaltungen von Hochschulen eingeladen und habe das Vergnügen den Ansprachen der meist prominenten Redner zu lauschen.

Mir fällt dabei immer wieder auf, dass die Stichworte der Reden meist identisch bzw. Wie aus einem Redenschreibgenerator hört man dabei bis zum Überdruss immer wieder folgende Stichworte: Wenn ich Gelegenheit habe, frage ich dann immer, was die Redner unter diesen Stichworten verstehen. Meistens kommt da ziemliches Gestammel. Was will ich damit sagen: Es ist den sog.

Das hat schon fast Orwellsche Qualitäten. Es ist diesen sog. Und natürlich bestimmt der die Musik, der die Kapelle bezahlt. Aber damit immer noch nicht genug: Natürlich ist es nach wie vor richtig, dass Bertelsmann die Gesetze nicht selber verabschiedet, sondern dass diese meist von der Exekutive eingebracht und vom Parlament verabschiedet werden. Juli in Kraft getretene Gesetz. Doch kaum ein anderer Begriff ist in der Menschheitsgeschichte so unterschiedlich gebraucht und so oft missbraucht worden, wie der Freiheitsbegriff.

Dem Zwang des Marktes kann und darf sich kein Hochschulangehöriger entziehen. Denkt jeder Hochschullehrer und jede Hochschule an sich, so ist an alle gedacht. So lautet das markt- und betriebswirtschaftliche Credo. Es gab einen Rückzug staatlicher Verantwortung zugunsten einer unternehmerischen Autonomie der Hochschule und zugunsten einer der einzelunternehmerischen Wettbewerbslogik unterworfenen autokratischen Leitungsstruktur.

Man braucht dazu sozusagen einen Chief Executive Officer als Präsidenten, gegen dessen Stimme keine Entscheidung getroffen werden kann. Sie können weder abberufen noch abgewählt werden. Sie können für Ihre oft tiefgreifenden und kostenintensiven Entscheidungen nicht zur Verantwortung gezogen werden. Die Hochschulratsmitglieder entscheiden über das Geld der Steuerzahler nach ihren ganz persönlichen oder ihren politischen oder ökonomischen Interessen. Einige dieser Defizite gestehen inzwischen sogar die wichtigsten Propagandisten der Einrichtung von Hochschulräten ein.

Es wird zugegeben, dass die Haftung der Mitglieder ungeklärt ist. Eine angemessene Vergütung soll die Hochschule den Hochschulratsmitgliedern auch anbieten. Bis auf solche eher kosmetischen Korrekturen, wird jedoch an Hochschulräten als zentrales Steuerungselement der Hochschulen festgehalten. Mit vielen anderen Hochschulratsmitgliedern, mit denen ich gesprochen habe, bin ich zur festen Überzeugung gelangt: Ein ehrenamtlicher Hochschulrat ist mit den ihm per Gesetz übertragenen Kompetenzen schlicht überfordert.

Die jeweiligen Entscheidungen leiten sich allenfalls aus dem jeweils persönlichen Vorurteil oder Interessensbezug ab oder: In der überwiegenden Zahl der zu treffenden Entscheidungen hat das hauptamtliche Präsidium einen nicht einholbaren Informationsvorsprung und kennt die möglichen Handlungsoptionen erheblich besser als jedenfalls jedes externe Mitglied des Hochschulrates. Viele Präsidenten entwickeln sich dadurch zu Alleinherrschern bzw. Die Vorstellung der Verfechter der Aufsichtsratsstruktur war die: Was aber noch entscheidender ist: Unter den Hochschulratsvorsitzenden liegt der Anteil der Wirtschaftsvertreter bei 47 Prozent, von diesen sind 80 Prozent Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglieder.

Kein Wunder, dass das Handelsblatt ziemlich triumphierend titelte: Hochschulräte arbeiten in der Regel weder transparent noch sind sie repräsentativ zusammengesetzt. Die zusätzliche, ergänzende private und öffentliche Finanzierung steuert also den ganz überwiegend staatlich finanzierten Apparat. Der Schwanz wackelt mit dem Hund. Das dürfte aber gerade der Idealfall der Apologeten der Privatisierung öffentlicher Einrichtungen sein: Der Staat finanziert und Private lenken.

Die Wissenschaftsfreiheit im Grundgesetz soll jedoch die Autonomie der Wissenschaft garantieren und zwar zum gesamten Wohl der Gesellschaft und nicht einzelner finanzstarker Interessen. Zum Schluss meines Referats möchte ich noch einige demokratietheoretische Anmerkungen machen:.

Es ist das Recht eines jeden Unternehmers, der meint, etwas zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen zu können, eine Stiftung zu gründen und politische Themen bearbeiten zu lassen. Dass sich dabei Gleichgesinnte treffen, wird jeweils unvermeidlich sein. Es ist auch das gute Recht einer jeden Regierung, denjenigen mit einer Politikberatung zu beauftragen, der ihr politisch sympathisch ist. Doch wer öffentliche Aufgaben erfüllt, Gesetze verändern will, die in Gestaltungsrechte und Lebenschancen von Millionen Bürgern eingreifen, der muss sich der öffentlichen Auseinandersetzung stellen.

Die Mitwirkenden müssen ihre gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Ziele offen legen, die Öffentlichkeit muss den Prozess nachvollziehen und erkennen können, wer welchen Einfluss ausübt und welche Konsequenzen das Vorgehen hat. Das geradezu Paradoxe am Verhalten der Bertelsmann Stiftung ist jedoch, dass sie zwar überall nach Wettbewerb ruft, diesen Wettbewerb aber bei sich selbst konsequent verhindert.

Sie muss sich darüber hinaus vor keinem Parlament und keinem Rechnungshof, ja nicht einmal vor einem Aufsichtsrat, der wenigstens unterschiedliche Interessen von Kapitalanlegern vertreten könnte, für den Einsatz ihrer Gelder und die damit verfolgten Ziele rechtfertigen.

Die Netzwerkarbeit und Projektentwicklung der Bertelsmann Stiftung ist so angelegt, dass sich die Akteure gar nicht mehr mit Gegenmeinungen und Kritik auseinandersetzen, dass sie Kritik in einer Haltung der Selbstgewissheit an sich abprallen lassen und so auftreten, als hätten sie die Richtigkeit und Wahrheit ihrer Konzepte von vorneherein und zweifelsfrei erkannt.

Nicht dass man die Argumente Andersdenkender übernehmen müsste, aber Kritik wahrzunehmen und sich damit auseinander zusetzen ist etwas anderes, als sie totzuschweigen bzw. Das Spektrum der Öffentlichen Meinung und der Politik wurde so nicht etwa erweitert, sondern im Gegenteil verengt und in einer Weise kanalisiert, wie es offen ausgewiesene Interessengruppen — wie z. Ja noch mehr, er zieht sich aus seiner Verantwortung immer mehr zurück und überlässt wichtige gesellschaftliche Bereiche wie etwa die Bildung oder die Hochschule gleich ganz den Selbsthilfekräften bürgerschaftlichen Engagements.

Diejenigen, die nicht so viel Geld und Vermögen haben, machen Sozialarbeit, also Altenpflege oder Übungsleiter im Sportverein, die Vermögenden vergeben Forschungsaufträge oder Stiftungslehrstühle oder sie stiften gleich ganze Denkfabriken und prägen damit den Gang der Wissenschaft oder den gesellschaftlichen Diskurs und bestimmen so die gesellschaftliche und die politische Weiterentwicklung.

Darauf, dass eben zum Beispiel der Bertelsmann-Konzern und seine Stiftung mehr Geld hat als jede andere private und staatliche Institution, Expertisen und Gutachten erstellen zu lassen, Kongresse zu veranstalten, Studien zu machen, um die Mission ihres Stifters zu verbreiten.

Demokratisch legitimierte Macht im Staate wird so mehr und mehr durch Wirtschaftsmacht zurückgedrängt, ja sogar teilweise schon ersetzt. Leider rekrutiert sich der Widerstand — wie etwa der vom Hochschulverband — vielfach aus der konservativen Seite, die eine Rückkehr zur alten Ordinarien-Universität erträumt.

Warum sollten gerade diese sich gegen eine Reform wenden, die ihnen viel Macht eingeräumt hat? Einen erneuten Paradigmenwechsel herbeizuführen ist eine schwierige Herausforderung.

Der hier gegebene Text folgt der seit durchgehend im Handel befindlichen Ausgabe des Verlages Philipp Reclam jun. In der folgenden Arbeitskopie z. Was soll nicht alles Meine Sache sein! Nur Meine Sache soll niemals Meine Sache sein. Und Ihr verhehlt es auch nicht, das Treiben des Herrn.

Was ist nun seine Sache? Hat er, wie es Uns zugemutet wird, eine fremde Sache, hat er die Sache der Wahrheit, der Liebe zur seinigen gemacht? Euch empört dies Missverständnis und Ihr belehrt uns, dass Gottes Sache allerdings die Sache der Wahrheit und Liebe sei, dass aber diese Sache keine ihm fremde genannt werden könne, weil Gott ja selbst die Wahrheit und Liebe sei; Euch empört die Annahme, dass Gott Uns armen Würmern gleichen könnte, indem er eine fremde Sache als eigene beförderte.

Er dient keinem Höheren und befriedigt nur sich. Seine Sache ist eine - rein egoistische Sache. Wie steht es mit der Menschheit, deren Sache Wir zur unsrigen machen sollen?

Ist ihre Sache etwa die eines anderen und dient die Menschheit einer höheren Sache? Nein, die Menschheit sieht nur auf sich, die Menschheit will nur die Menschheit fördern, die Menschheit ist sich selber ihre Sache.

Damit sie sich entwickle, lässt sie Völker und Individuen in ihrem Dienste sich abquälen, und wenn diese geleistet haben, was die Menschheit braucht, dann werden sie von ihr aus Dankbarkeit auf den Mist der Geschichte geworfen. Ist die Sache der Menschheit nicht eine - rein egoistische Sache?

Ich brauche gar nicht an jedem, der seine Sache Uns zuschieben möchte, zu zeigen, dass es ihm nur um sich, nicht um Uns, nur um sein Wohl, nicht um das Unsere zu tun ist.

Seht Euch die Übrigen nur an. Begehrt die Wahrheit, die Freiheit, die Humanität, die Gerechtigkeit etwas anderes, als dass Ihr Euch enthusiasmiert und ihnen dient? Sie stehen sich alle ausnehmend gut dabei, wenn ihnen pflichteifrigst gehuldigt wird. Betrachtet einmal das Volk, das von ergebenen Patrioten geschützt wird. Das nenn' Ich Mir einen einträglichen Egoismus. Ist er nicht die pure Uneigennützigkeit selber und opfert er sich nicht stündlich für die Seinen?

Versuch' es einmal und zeige Dich nicht als der Seine, sondern als der Deine: Du wirst dafür, dass Du seinem Egoismus Dich entzogst, in den Kerker wandern.

Und an diesen glänzenden Beispielen wollt Ihr nicht lernen, dass der Egoist am besten fährt? Ich Meinesteils nehme Mir eine Lehre daran und will, statt jenen grossen Egoisten ferner uneigennützig zu dienen, lieber selber der Egoist sein. Gott und die Menschheit haben ihre Sache auf Nichts gestellt, auf nichts als auf Sich. Hat Gott, hat die Menschheit, wie Ihr versichert, Gehalt genug in sich, um sich alles in allem zu sein: Ich bin [nicht] Nichts im Sinne der Leerheit, sondern das schöpferische Nichts, das Nichts, aus welchem Ich selbst als Schöpfer alles schaffe.

Fort denn mit jeder Sache, die nicht ganz und gar Meine Sache ist! Was gut, was böse! Ich bin ja selber Meine Sache, und Ich bin weder gut noch böse. Beides hat für Mich keinen Sinn. Mir geht nichts über Mich! Der Mensch ist dem Menschen das höchste Wesen, sagt Feuerbach.

Der Mensch ist nun erst gefunden, sagt Bruno Bauer. Von dem Augenblicke an, wo er das Licht der Welt erblickt, sucht ein Mensch aus ihrem Wirrwarr, in welchem auch er mit allem anderen bunt durcheinander herumgewürfelt wird, sich herauszufinden und sich zu gewinnen.

Doch wehrt sich wiederum alles, was mit dem Kinde in Berührung kommt, gegen dessen Eingriffe und behauptet sein eigenes Bestehen. Mithin ist, weil Jegliches auf sich hält, und zugleich mit Anderem in stete Kollision gerät, der Kampf der Selbstbehauptung unvermeidlich.

Siegen oder Unterliegen - zwischen beiden Wechselfällen schwankt das Kampfgeschick. Der Sieger wird der Herr, der Unterliegende der Untertan: Aber Feinde bleiben beide und liegen immer auf der Lauer: Sind Wir erst dahinter gekommen, so wissen Wir Uns sicher; sind Wir z. Wir kommen gemach hinter alles, was Uns unheimlich und nicht geheuer war, hinter die unheimlich gefürchtete Macht der Rute, der strengen Miene des Vaters usw.

Unerschütterlichkeit, Unerschrockenheit, unsere Gegengewalt, Übermacht, Unbezwingbarkeit. Und je mehr Wir Uns fühlen, desto kleiner erscheint, was zuvor unüberwindlich dünkte. Was sonst als - Geist! Eine geraume Zeit hindurch bleiben Wir mit einem Kampfe, der später Uns so sehr in Atem setzt, verschont, mit dem Kampfe gegen die Vernunft.

Die schönste Kindheit geht vorüber, ohne dass Wir nötig hätten, Uns mit der Vernunft herumzuschlagen. Wir kümmern Uns gar nicht um sie, lassen Uns mit ihr nicht ein, nehmen keine Vernunft an. Durch Überzeugung bringt man Uns zu nichts, und gegen die guten Gründe, Grundsätze usw.

Dieser saure Lebenskampf mit der Vernunft tritt erst später auf, und beginnt eine neue Phase: Geist heisst die erste Selbstfindung, die erste Entgötterung des Göttlichen, d. Unserem frischen Jugendgefühl, diesem Selbstgefühl, imponiert nun nichts mehr: Jetzt erst sehen Wir, dass Wir die Welt bisher gar nicht mit Geist angeschaut haben, sondern nur angestiert.

An Naturgewalten üben Wir Unsere ersten Kräfte. Vater und Mutter sei zu verlassen, alle Naturgewalt für gesprengt zu erachten. Für den Vernünftigen, d. Und nicht bloss die Eltern, sondern die Menschen überhaupt, werden von dem jungen Menschen besiegt: Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen.

Die Haltung hat sich nun durchaus umgekehrt, der Jüngling nimmt ein geistiges Verhalten an, während der Knabe, der sich noch nicht als Geist fühlte, in einem geistlosen Lernen aufwuchs. Jener sucht nicht der Dinge habhaft zu werden, z. Hatte man in der Kindheit den Widerstand der Weltgesetze zu bewältigen, so stösst man nun bei allem, was man vorhat, auf eine Einrede des Geistes, der Vernunft, des eigenen Gewissens.

Indes gedacht haben Wir auch schon als Kinder, nur waren Unsere Gedanken keine fleischlosen abstrakten, absoluten, d. Wir dachten Uns das Ding so oder so. Wir dachten also wohl: Bei solchen rein logischen, d. Jeder an eine Sache gebundene Gedanke ist noch nicht nichts als Gedanke, absoluter Gedanke.

Den reinen Gedanken zu Tage zu fördern, oder ihm anzuhängen, das ist Jugendlust, und alle Lichtgestalten der Gedankenwelt, wie Wahrheit, Freiheit, Menschentum, der Mensch usw.

Ist aber der Geist als das Wesentliche erkannt, so macht es doch einen Unterschied, ob der Geist arm oder reich ist, und man sucht deshalb reich an Geist zu werden: So sehnt er sich denn alles in allem zu werden, d.

Erst dann, wenn man sich leibhaftig liebgewonnen, und an sich, wie man leibt und lebt, eine Lust hat - so aber findet sich's im reifen Alter, beim Manne - erst dann hat man ein persönliches oder egoistisches Interesse, d. Vergleicht doch einmal einen Mann mit einem Jünglinge, ob er Euch nicht härter, ungrossmütiger, eigennütziger erscheinen wird. Ist er darum schlechter? Ihr sagt Nein, er sei nur bestimmter, oder, wie Ihr's auch nennt,. Hauptsache jedoch ist dies, dass er sich mehr zum Mittelpunkte macht, als der Jüngling, der für Anderes, z.

Darum zeigt der Mann eine zweite Selbstfindung. Der Jüngling fand sich als Geist und verlor sich wieder an den allgemeinen Geist, den vollkommenen, heiligen Geist, den Menschen, die Menschheit, kurz alle Ideale; der Mann findet sich als leibhaftigen Geist.

Knaben hatten nur ungeistige, d. Wenn das Kind nicht einen Gegenstand hat, mit welchem es sich beschäftigen kann, so fühlt es Langeweile: Umgekehrt wirft der Jüngling den Gegenstand auf die Seite, weil ihm Gedanken aus dem Gegenstande aufgingen: Wenn er gleichwohl an den kleinlichsten Äusserlichkeiten haftet z. In der Geisterzeit wuchsen Mir die Gedanken über den Kopf, dessen Geburten sie doch waren; wie Fieberphantasien umschwebten und erschütterten sie Mich, eine schauervolle Macht.

Zerstöre Ich ihre Leibhaftigkeit, so nehme Ich sie in die Meinige zurück und sage: Ich allein bin leibhaftig. Ich beziehe alles auf Mich. Das Kind war realistisch, in den Dingen dieser Welt befangen, bis ihm nach und nach hinter eben diese Dinge zu kommen gelang; der Jüngling war idealistisch, von Gedanken begeistert, bis er sich zum Manne hinaufarbeitete, dem egoistischen, der mit den Dingen und Gedanken nach Herzenslust gebahrt und sein persönliches Interesse über alles setzt.

Wenn Ich einer werde, so ist noch Zeit genug, davon zu sprechen. Wie ein jeder von Uns sich entwickelte, was er erstrebte, erlangte oder verfehlte, welche Zwecke er einst verfolgte und an welchen Plänen und Wünschen sein Herz im Augenblicke hängt, welche Umwandlungen seine Ansichten, welche Erschütterungen seine Prinzipien erfuhren, kurz wie er heute geworden, was er gestern oder vor Jahren nicht war: Schauen Wir daher in das Treiben hinein, welches Unsere Voreltern vorführten.

Wie aber sind sie dazu gekommen zu veralten, und wer konnte sie durch seine vorgebliche Neuheit verdrängen? Wir kennen den revolutionären Neuerer und respektlosen Erben wohl, der selbst den Sabbat der Väter entheiligte, um seinen Sonntag zu heiligen, und die Zeit in ihrem Laufe unterbrach, um bei sich mit einer neuen Zeitrechnung zu beginnen: Belauschen Wir denn diesen Zeugungsakt. Wie der Christ nämlich sich niemals von der Eitelkeit des göttlichen Wortes überzeugen kann, sondern an die ewige und unerschütterliche Wahrheit desselben glaubt, die, je mehr in ihren Tiefen geforscht werde, nur um so glänzender an den Tag kommen und triumphieren müsse: Gerade dasjenige, worauf die Alten den grössten Wert legten, wird von den Chri-.

Es haben die Alten aber selbst darauf hingearbeitet, ihre Wahrheit zu einer Lüge zu machen. Greifen Wir sogleich mitten in die glänzendsten Jahre der Alten hinein, in das perikleische Jahrhundert. Damals griff die sophistische Zeitbildung um sich, und Griechenland trieb mit dem Kurzweile, was ihm seither ein ungeheurer Ernst gewesen war.

Zu lange waren die Väter von der Gewalt des ungerüttelten Bestehenden geknechtet worden, als dass die Nachkommen nicht an den bitteren Erfahrungen hätten lernen sollen, sich zu fühlen. Mit mutiger Keckheit sprechen daher die Sophisten das ermannende Wort aus: Darum halten sie so viel auf die dialektische Gewandtheit, Redefertigkeit, Disputierkunst usw. Sie verkünden, dass der Geist gegen alles zu brauchen ist; aber von der Heiligkeit des Geistes sind sie noch weit entfernt, denn er gilt ihnen als Mittel, als Waffe, wie den Kindern List und Trotz dazu dient: Heutzutage würde man das eine einseitige Verstandesbildung nennen und die Mahnung hinzufügen: Bildet nicht bloss Euren Verstand, sondern besonders auch Euer Herz.

Wurde nämlich das Herz von seinen natürlichen Trieben nicht frei, sondern blieb es vom zufälligsten Inhalt erfüllt und als eine unkritisierte Begehrlichkeit ganz in der Gewalt der Dinge, d. Darum sagt Sokrates, es genüge nicht, dass man in allen Dingen seinen Verstand gebrauche, sondern es komme darauf an, für welche Sache man ihn anstrenge.

Wir würden jetzt sagen: Der guten Sache dienen, heisst aber - sittlich sein. Daher ist Sokrates der Gründer der Ethik. Allerdings musste das Prinzip der Sophistik dahin führen, dass der unselbständigste und blindeste Sklave seiner Begierden doch ein trefflicher Sophist sein und mit Verstandesschärfe alles zu Gunsten seines rohen Herzens auslegen und zustutzen konnte.

Von hier ab beginnt die zweite Periode griechischer Geistesbefreiung, die Periode der Herzensreinheit. Die erste nämlich kam durch die Sophisten zum Schluss, indem sie die Verstandesallmacht proklamierten. Aber das Herz blieb weltlich gesinnt, blieb ein Knecht. Dies rohe Herz sollte von nun an gebildet werden: Wie aber soll das Herz gebildet werden?

Was der Verstand, diese eine Seite des Geistes, erreicht hat, die Fähigkeit nämlich, mit und über allem Gehalt frei zu spielen, das steht auch dem Herzen bevor: Alltägliche Erfahrung bestätigt es, dass der Verstand längst einer Sache entsagt haben kann, wenn das Herz noch viele Jahre für sie schlägt.

So war auch der sophistische Verstand über die herrschenden, alten Mächte so weit Herr geworden, dass sie nur noch aus dem Herzen, worin sie unbelästigt hausten, verjagt werden mussten, um endlich an dem Menschen gar kein Teil mehr zu haben.

Dieser Krieg wird von Sokrates erhoben und erreicht seinen Friedensschluss erst am Todestage der alten Welt. In ihren letzten und äussersten Anstrengungen warfen die Alten allen Inhalt aus dem Herzen hinaus, und liessen es für Nichts mehr schlagen: Dieselbe Reinheit des Herzens wurde nun in der skeptischen Zeit errungen, welche in der sophistischen dem Verstande herzustellen gelungen war.

Die sophistische Bildung hat bewirkt, dass einem der Verstand vor nichts mehr still steht, und die skeptische, dass das Herz von nichts mehr bewegt wird. Solange der Mensch in das Weltgetriebe verwickelt und durch Beziehungen zur Welt befangen ist - und er ist es bis ans Ende des Altertums, weil sein Herz immer noch um die Unabhängigkeit von Weltlichem zu ringen hat - solange ist er noch nicht Geist; denn der Geist ist körperlos und hat keine Beziehung zur Welt und Körperlichkeit: Darum musste der Mensch erst so völlig rücksichtslos und unbekümmert, so ganz beziehungslos werden, wie ihn die skeptische Bildung darstellt, so ganz gleichgültig gegen die Welt, dass ihn ihr Einsturz selbst nicht rührte, ehe er sich als weltlos, d.

Und dies ist das Resultat von der Riesenarbeit der Alten, dass der Mensch sich als beziehungs- und weltloses Wesen, als Geist weiss. Nun erst, nachdem ihn alle weltliche Sorge verlassen hat, ist er sich alles in allem, ist nur für sich, d. In der christlichen Schlangenklugheit und Taubenunschuld sind die beiden Seiten der antiken Geistesbefreiung, Verstand und Herz so vollendet, dass sie wieder jung und neu erscheinen, das eine und das andere sich nicht mehr durch das Weltliche, Natürliche verblüffen lassen.

Zum Geiste also schwangen sich die Alten auf und geistig strebten sie zu werden. Es wird aber ein Mensch, der als Geist tätig sein will, zu ganz anderen Aufgaben hingezogen, als er sich vorher zu stellen vermochte, zu Aufgaben, welche wirklich dem Geiste und nicht dem blossen Sinne oder Scharfsinn zu tun geben, der sich nur anstrengt, der Dinge Herr zu werden. Nicht den Geist also, der es schlechterdings mit nichts Ungeistigem, mit keinem Dinge, sondern allein mit dem Wesen, welches hinter und über den Dingen existiert, mit den Gedanken zu tun hat, nicht ihn strengten die Alten an, denn sie hatten ihn noch nicht; nein, nach ihm rangen und sehnten sie.

Noch heute sind die Juden, diese altklugen Kinder des Altertums, nicht weiter gekommen, und können bei aller Subtilität und Stärke der Klugheit und des Verstandes, der der Dinge mit leichter Mühe Herr wird, und sie, ihm zu dienen, zwingt, den Geist nicht finden, der sich aus den Dingen gar nichts macht.

Der Christ hat geistige Interessen, weil er sich erlaubt ein geistiger Mensch zu sein; der Jude versteht diese Interessen in ihrer Reinheit nicht einmal, weil er sich nicht erlaubt, den Dingen keinen Wert beizulegen. Zur reinen Geistigkeit gelangt er nicht, einer Geistigkeit, wie sie religiös z. Ihre Geistlosigkeit entfernt die Juden auf immer von den Christen; denn dem Geistlosen ist der Geistige unverständlich, wie dem Geistigen der Geistlose verächtlich ist.

Der antike Scharfsinn und Tiefsinn liegt so weit vom Geiste und der Geistigkeit der christlichen Welt entfernt, wie die Erde vom Himmel. Wem alles darauf ankommt, sich als freier Geist zu wissen und zu rühren, der fragt wenig darnach, wie kümmerlich es ihm dabei ergehe, und denkt überhaupt nicht darüber nach, wie er seine Einrichtungen zu treffen habe, um recht frei oder genussreich zu leben. Die Unbequemlichkeiten des von. Sein Leben ist Beschäftigung mit Geistigem, ist - Denken, das Übrige schiert ihn nicht; mag er sich mit Geistigem beschäftigen, wie er immer kann und will, in Andacht, in Betrachtung oder in philosophischer Erkenntnis, immer ist das Tun ein Denken, und darum konnte Cartesius, dem dies endlich ganz klar geworden war, den Satz aufstellen: Der unglückliche Peter Schlemihl, der seinen Schatten verloren hat, ist das Portrait jenes zu Geist gewordenen Menschen: Wie stark und männlich sie auch gegen die Gewalt der Dinge sich betragen mochten, die Gewalt selbst mussten sie doch anerkennen, und weiter brachten sie es nicht, als dass sie ihr Leben gegen jene so gut als möglich schützten.

Nun muss man jedoch nicht glauben, die Alten seien gedankenlos gewesen, wie man ja auch den geistigsten Menschen sich nicht so vorstellen darf, als könnte er leblos sein. Vielmehr hatten sie über alles, über die Welt, den Menschen, die Götter usw. Man vergleiche ihnen gegenüber den christlichen Spruch: Was sucht also das Altertum? Den wahren Lebensgenuss, Genuss des Lebens! Der griechische Dichter Simonides singt: Wonach anders suchte Diogenes von Sinope, als nach dem wahren Lebensgenuss, den er in der möglichst geringen Bedürftigkeit entdeckte?

Wonach anders Aristipp, der ihn im heiteren Mute unter allen Lagen fand? Die Stoiker wollen den Weisen verwirklichen, den Mann der Lebensweisheit, den Mann, der zu leben weiss, also ein weises Leben; sie finden ihn in der Verachtung der Welt, in einem Leben ohne Lebensentwicklung, ohne Ausbreitung, ohne freundliches Vernehmen mit der Welt, d.

Umgekehrt verlangen die Epikureer ein bewegliches Leben. Die Alten verlangen, da sie guter Dinge sein wollen, nach Wohlleben die Juden besonders nach einem langen, mit Kindern und Gütern gesegneten Leben , nach der Eudämonie, dem Wohlsein in den verschiedensten Formen. Da er aber von der Welt nicht loskommen kann, und zwar gerade aus dem Grunde es nicht kann, weil seine ganze Tätigkeit in dem Bemühen aufgeht, von ihr loszukommen, also im Abstossen der Welt wozu doch notwendig die abstossbare und abgestossene bestehen bleiben muss, widrigenfalls nichts mehr abzustossen wäre: Selbst die stoische Haltung und Mannestugend läuft nur darauf hinaus, dass man sich gegen die Welt zu erhalten und zu behaupten habe, und die Ethik der Stoiker ihre einzige Wissenschaft, da sie nichts von dem Geiste auszusagen wussten, als wie er sich zur Welt verhalten solle, und von der Natur [Physik] nur dies, dass der Weise sich gegen sie zu behaupten habe ist nicht eine Lehre des Geistes, sondern nur eine Lehre der Weltabstossung und Selbstbehauptung gegen die Welt.

Weiter als zu dieser Lebensweisheit brachten es auch die Römer nicht Horaz, Cicero usw. Das Wohlergehen Hedone der Epikureer ist dieselbe Lebensweisheit wie die der Stoiker, nur listiger, betrügerischer. Sie lehren nur ein anderes Verhalten gegen die Welt, ermahnen nur eine kluge Haltung gegen die Welt sich zu geben: Vollständig wird der Bruch mit der Welt von den Skeptikern vollführt. Die Welt ist nach Pyrrhon's Lehre weder gut noch schlecht, weder schön noch hässlich usw.

So wird das Altertum mit der Welt der Dinge, der Weltordnung, dem Weltganzen fertig; zur Weltordnung oder den Dingen dieser Welt gehört aber nicht etwa nur die Natur, sondern alle Verhältnisse, in welche der Mensch durch die Natur sich gestellt sieht, z. Mit der Welt des Geistes beginnt dann das Christentum. Da die Alten auf die Weltüberwindung hinarbeiteten und den Menschen von den schweren umstrickenden Banden des Zusammenhanges mit Anderem zu erlösen strebten, so kamen sie auch zuletzt zur Auflösung des Staates und Bevorzugung alles Privaten.

Ein ähnlicher Gang, wie das Altertum ihn genommen, lässt sich auch am Christentum nachweisen, indem bis in die die Reformation vorbereitende Zeit hinein der Verstand unter der Herrschaft der christlichen Dogmen gefangen gehalten wurde, im vorreformatorischen Jahrhundert aber sophistisch sich erhob und mit allen Glaubenssätzen ein ketzerisches Spiel trieb.

Dabei hiess es denn, zumal in Italien und am römischen Hofe: Der Humanismus entspricht der Sophistik, und wie zur Zeit der Sophisten das griechische Leben in höchster Blüte stand Perikleisches Zeitalter , so geschah das Glänzendste zur Zeit des Humanismus, oder, wie man vielleicht auch sagen könnte, des Macchiavellismus Buchdruckerkunst, Neue Welt usw.

Das Herz war in dieser Zeit noch weit davon entfernt, des christlichen Inhalts sich entledigen zu wollen. Aber die Reformation machte endlich, wie Sokrates, mit dem Herzen selber Ernst, und seitdem sind die Herzen zusehends - unchristlicher geworden. Indem man mit Luther anfing, sich die Sache zu Herzen zu nehmen, musste dieser Schritt der Reformation dahin führen, dass auch das Herz von der schweren Last der Christlichkeit erleichtert wird. So erst ist das Christentum vollendet, weil es kahl, abgestorben und inhaltsleer geworden ist.

Das Herz kritisiert alles, was sich eindrängen will, mit schonungsloser Unbarmherzigkeit zu Tode, und ist keiner Freundschaft, keiner Liebe ausser eben unbewusst oder überrumpelt fähig. Der Christ liebt nur den Geist; wo wäre aber einer, der wirklich nichts als Geist wäre? Denn man stelle sich die reine Herzlichkeit nur nicht vor wie jene Gemütlichkeit, die jedermann freundlich die Hand drückt; im Gegenteil, die reine Herzlichkeit ist gegen Niemand herzlich, sie ist nur theoretische Teilnahme, Anteil am Menschen als Menschen, nicht als Person.

Nur für die Idee aber gibt es ein theoretisches Interesse. Für die reine Herzlichkeit oder die reine Theorie sind die Menschen nur da, um kritisiert, verhöhnt und gründlichst verachtet zu werden: Auf diese äusserste Spitze interesseloser Herzlichkeit getrieben, müssen Wir endlich inne werden, dass der Geist, welchen der Christ allein liebt, nichts ist, oder dass der Geist eine - Lüge ist.

Nehmen Wir die von den Alten hinterlassene Erbschaft auf und machen Wir als tätige Arbeiter damit so viel, als sich - damit machen lässt! Die Welt liegt verachtet zu Unsern Füssen, tief unter Uns und Unserem Himmel, in den ihre mächtigen Arme nicht mehr hineingreifen und ihr sinnbetäubender Hauch nicht eindringt; wie verführerisch sie sich auch gebärde, sie kann nichts als unsern Sinn betören, den Geist - und Geist sind Wir doch allein wahrhaft - irrt sie nicht.

Einmal hinter die Dinge gekommen, ist der Geist auch über sie gekommen, und frei geworden von ihren Banden, ein entknechteter, jenseitiger freier. Dem Geiste, der nach langem Mühen die Welt los geworden ist, dem weltlosen Geiste, bleibt nach dem Verluste der Welt und des Weltlichen nichts übrig, als - der Geist und das Geistige. Da er jedoch sich von der Welt nur entfernt und zu einem von ihr freien Wesen gemacht hat, ohne sie wirklich vernichten zu können, so bleibt sie ihm ein unwegräumbarer Anstoss, ein in Verruf gebrachtes Wesen, und da er andererseits nichts kennt und anerkennt, als Geist und Geistiges, so muss er fortdauernd sich mit der Sehnsucht tragen, die Welt zu vergeistigen, d.

Deshalb geht er, wie ein Jüngling, mit Welterlösungs- oder Weltverbesserungsplänen um. All ihr Tun war nichts gewesen als Weltweisheit, ein Trachten, hinter und über die Welt hinaus zu kommen. Hinter was suchten die Neuen zu kommen? Haben die Alten nichts aufzuweisen als Weltweisheit, so brachten und bringen es die Neuen niemals weiter als zur Gottesgelahrtheit. Das Geisterreich ist ungeheuer gross, des Geistigen unendlich viel: Aus ihren Geburtswehen ging er hervor, sie selbst aber konnten sich nicht als Geist aussprechen: So wäre er ja noch mit der Welt in Feindschaft, und all sein Tun beschränkte sich darauf, ihr nur nicht zu unterliegen!

Der Geist ist freier Geist, d. Nur mittelst einer geistigen. Woher soll ihm diese geistige Welt aber kommen? Woher anders als aus ihm selbst! Er muss sich offenbaren, und die Worte, die er spricht, die Offenbarungen, in denen er sich enthüllt, die sind seine Welt. Wie ein Phantast nur in den phantastischen Gebilden, die er selber erschafft, lebt und seine Welt hat, wie ein Narr sich seine eigene Traumwelt erzeugt, ohne welche er eben kein Narr zu sein vermöchte, so muss der Geist sich seine Geisterwelt erschaffen, und ist, bevor er sie erschafft, nicht Geist.

Also seine Schöpfungen machen ihn zum Geist, und an den Geschöpfen erkennt man ihn, den Schöpfer: Was ist nun der Geist? Er ist der Schöpfer einer geistigen Welt! Gedanken, mögen sie Uns auch vorgeführt worden sein, doch in Uns zum Leben gebracht haben; denn solange Wir Kinder waren, hätte man Uns die erbaulichsten Gedanken vorlegen können, ohne dass Wir gewollt oder im Stande gewesen wären, sie in Uns wiederzuerzeugen.

So ist auch der Geist nur, wenn er Geistiges schafft: Da Wir ihn denn an seinen Werken erkennen, so fragt sich's, welches diese Werke seien. Die Werke oder Kinder des Geistes sind aber nichts anderes als - Geister. Hätte Ich Juden, Juden von echtem Schrot und Korn vor mir, so müsste Ich hier aufhören und sie vor diesem Mysterium stehen lassen, wie sie seit beinahe zweitausend Jahren ungläubig und erkenntnislos davor stehen geblieben sind.

Da Du aber, mein lieber Leser, wenigstens kein Vollblutsjude bist - denn ein solcher wird sich nicht bis hierher verirren - so wollen Wir noch eine Strecke Weges miteinander. Ich habe wohl Geist, existiere aber nicht bloss als Geist, sondern bin ein leibhaftiger Mensch.

Deinen Geist, für die Ewigkeit erhalten wirst; mithin ist Dein Geist das Ewige und Wahre an Dir, der Leib nur eine diesseitige Wohnung, welche Du verlassen und vielleicht mit einer andern vertauschen kannst. Nun glaubst Du ihm!

Für jetzt zwar bist Du nicht bloss Geist, aber wenn Du einst aus dem sterblichen Leibe auswandern musst, dann wirst Du ohne den Leib Dich behelfen müssen, und darum tut es not, dass Du Dich vorsehest und bei Zeiten für Dein eigentliches Ich sorgest. Einen Satz hast Du dennoch ungerüttelt gelassen, und der einen Wahrheit hängst Du immer noch unbefangen an, dass der Geist Dein besser Teil sei, und dass das Geistige grössere Ansprüche an Dich habe, als alles andere.

Du stimmst trotz all Deines Atheismus mit dem Unsterblichkeitsgläubigen im Eifer gegen den Egoismus zusammen. Wen aber denkst Du Dir unter dem Egoisten? Einen Menschen, der, anstatt einer Idee, d.

Ein guter Patriot z. Bewährt sich nun Jemand nicht als einen guten Patrioten, so verrät er in Bezug auf's Vaterland seinen Egoismus. Und so verhält sich's in unzähligen anderen Fällen: Darum verachtest Du den Egoisten, weil er das Geistige gegen das Persönliche zurücksetzt, und für sich besorgt ist, wo Du ihn einer Idee zu Liebe handeln sehen möchtest.

Du treibst den Ritterdienst für dieses Schöne so weit, dass Du behauptest, sie sei die einzige Schönheit der Welt. Du lebst nicht Dir, sondern Deinem Geiste und dem, was des Geistes ist, d.

Hat er diese erst vollbracht, so folgt fortan eine natürliche Fortpflanzung von Schöpfungen, wie nach der Mythe nur die ersten Menschen geschaffen zu werden brauchten, das übrige Geschlecht sich von selbst fortpflanzte. Bist Du eher ein Denkender, als Du denkst? Nun so macht Dich auch das Hervorbringen von Geistigen erst zum Geiste.

Nur aus diesem Zwiespalt, in welchem Ich und der Geist liegen, nur weil Ich und Geist nicht Namen für ein und dasselbe, sondern verschiedene Namen für völlig Verschiedenes sind, nur weil Ich nicht Geist und Geist nicht Ich ist: Daraus geht aber auch hervor, wie durchaus theologisch, d.

Er sagt nämlich, Wir hätten Unser eigenes Wesen nur verkannt und darum es im Jenseits gesucht, jetzt aber, da Wir einsähen, dass Gott nur Unser menschliches Wesen sei, müssten Wir es wieder als das Unsere anerkennen und aus dem Jenseits in das Diesseits zurückversetzen. Rücken Wir damit nicht wieder in das traurige Elend zurück, aus Uns selbst Uns verbannt zu sehen?

Sind Wir das, was in Uns ist? So wenig als Wir das sind, was ausser Uns ist. Gerade weil Wir nicht der Geist sind, der in Uns wohnt, gerade darum mussten Wir ihn ausser Uns versetzen: Mit der Kraft der Verzweiflung greift Feuerbach nach dem gesamten Inhalt des Christentums, nicht, um ihn wegzuwerfen, nein, um ihn an sich zu reissen, um ihn, den langersehnten, immer ferngebliebenen, mit einer letzten Anstrengung aus seinem Himmel zu ziehen und auf ewig bei sich zu behalten.

Ist das nicht ein Griff der letzten Verzweiflung, ein Griff auf Leben und Tod, und ist es nicht zugleich die christliche Sehnsucht und Begierde nach dem Jenseits? Der Heros will nicht in das Jenseits eingehen, sondern das Jenseits an. Ja Wir denken auch wirklich immer das höchste Wesen in beiderlei Jenseitigkeit, in der innerlichen und äusserlichen, zugleich: Doch nach dieser Ausschweifung, die Wir Uns, gedächten Wir überhaupt nach dem Schnürchen zu gehen, auf spätere Blätter hätten versparen müssen, um eine Wiederholung zu.

Der Geist ist etwas anderes als Ich. Dieses Andere aber, was ist's? Hast Du schon einen Geist gesehen? Aber hatten Wir denn keine Grossväter, und zuckten die nicht jederzeit die Achseln, so oft die Grossmutter von ihren Gespenstern erzählte?

Ja, es waren das ungläubige Männer und die Unserer guten Religion viel geschadet haben, diese Aufklärer! Wir werden das empfinden! Die guten Gläubigen und Kirchenväter ahnten nicht, dass mit dem Gespensterglauben der Religion ihr Boden entzogen werde, und dass sie seitdem in der Luft schwebe. Aus der Blume, der kleinen, lieblichen, spricht der Geist des Schöpfers zu Dir, der sie so wunderbar geformt hat; die Sterne verkünden den Geist, der sie geordnet, von den Berggipfeln weht ein Geist der Erhabenheit herunter, aus den Wassern rauscht ein Geist der Sehnsucht herauf, und - aus dem Menschen reden Millionen Geister.

Mögen die Berge einsinken, die Blumen verblühen, die Sternenwelt zusammenstürzen, die Menschen sterben - was liegt am Untergang dieser sichtbaren Körper? Ja, es spukt in der ganzen Welt! Nein, sie selber spukt, sie ist unheimlich durch und durch, sie ist der wandelnde Scheinleib eines Geistes, sie ist ein Spuk. Was wäre ein Gespenst denn anders als ein scheinbarer Leib, aber wirklicher Geist? Schaue hin in die Nähe oder in die Ferne, Dich umgibt überall eine gespenstische Welt: Gedenkst Du Dich etwa mit den Alten zu vergleichen, die überall Götter sahen?

Götter, mein lieber Neuer, sind keine Geister; Götter setzen die Welt nicht zu einem Schein herab und vergeistigen sie nicht. Dir aber ist die ganze Welt vergeistigt und ein rätselhaftes Gespenst geworden; darum wundere Dich nicht, wenn Du ebenso in Dir nichts als einen Spuk findest. Du hast Geist, denn Du hast Gedanken. Was sind Deine Gedanken? Ich kann Mich zwar über die Wahrheit täuschen und sie verkennen; wenn Ich aber wahrhaft erkenne, so ist der Gegenstand Meiner Erkenntnis die Wahrheit.

Es kann wohl kommen, dass Ich eine Wahrheit unvollkommen finde und durch eine bessere ersetze, aber die Wahrheit kann Ich nicht abschaffen. An die Wahrheit glaube Ich, darum forsche Ich in ihr; über sie geht's nicht hinaus, sie ist ewig.

Heilig, ewig ist die Wahrheit, sie ist das Heilige, das Ewige. Du aber, der Du von diesem Heiligen Dich erfüllen und leiten lässest, wirst selbst geheiligt. Mag dies Heilige auch noch so menschlich aussehen, mag es das Menschliche selber sein, das nimmt ihm die Heiligkeit nicht ab, sondern macht es höchstens aus einem. Heiliges existiert nur für den Egoisten, der sich selbst nicht anerkennt, den unfreiwilligen Egoisten, für ihn, der immer auf das Seine aus ist, und doch sich nicht für das höchste Wesen hält, der nur sich dient und zugleich stets einem höheren Wesen zu dienen meint, der nichts Höheres kennt als sich und gleichwohl für Höheres schwärmt, kurz für den Egoisten, der kein Egoist sein möchte, und sich erniedrigt, d.

Weil er ablassen möchte, Egoist zu sein, sucht er in Himmel und Erde umher nach höheren Wesen, denen er diene und sich opfere; aber so viel er sich auch schüttelt und kasteit, zuletzt tut er doch alles um seinetwillen, und der verrufene Egoismus weicht nicht von ihm.

Ich nenne ihn deswegen den unfreiwilligen Egoisten. Sein Mühen und Sorgen, von sich loszukommen, ist nichts als der missverstandene Trieb nach Selbstauflösung. Bist Du an Deine vergangene Stunde gebunden, musst Du heute plappern, weil Du gestern geplappert hast 8 , kannst Du nicht jeden Augenblick Dich umwandeln: Du bist selbst ein höheres Wesen, als Du bist, und übertriffst Dich selbst.

Allein, dass Du der bist, der höher ist als Du, d. Jedes höhere Wesen, wie Wahrheit, Menschheit usw. Fremdes, worin Wir nicht ganz heimisch und zu Hause sind. Was Mir heilig ist, das ist Mir nicht eigen, und wäre Mir z. Warum ist eine unumstössliche mathematische Wahrheit, die nach dem gewöhnlichen Wortverstande sogar eine ewige genannt werden könnte, keine - heilige? Weil sie keine geoffenbarte, oder nicht die Offenbarung eines höhern Wesens ist.

Der Mensch greift über. Nur verrät das neue Wesen eine in der Tat geistigere Auffassung als der alte Gott, weil dieser noch in einer Art von Beleibtheit oder Gestalt vorgestellt wurde, dem neuen hingegen die ungetrübte Geistigkeit erhalten und ein besonderer materieller Leib nicht angedichtet wird. Die Spukhaftigkeit des Geistes in einem Scheinleibe ist dadurch wieder einmal recht kompakt und populär geworden.

Heilig also ist das höchste Wesen und alles, worin dies höchste Wesen sich offenbart oder offenbaren wird; geheiligt aber diejenigen, welche dies höchste Wesen samt dem Seinen, d. Das Heilige heiligt hinwiederum seinen Verehrer, der durch den Kultus selbst zu einem Heiligen wird, wie denn gleichfalls, was er tut, heilig ist: Was als das höchste Wesen verehrt wird, darüber kann begreiflicher Weise nur so lange der Streit bedeutungsvoll sein, als selbst die erbittertsten Gegner einander den Hauptsatz einräumen, dass es ein höchstes Wesen gebe, dem Kultus oder Dienst gebühre.

Lächelte einer mitleidig über den ganzen Kampf um ein höchstes Wesen, wie etwa ein Christ bei dem Wortgefecht eines Schiiten mit einem Sunniten oder eines. Wenn man einer Sache auf den Grund schaut, d. Man setzt dadurch, dass man das Wesen hervorhebt, die bisher verkannte Erscheinung zu einem blossen Scheine, zu einer Täuschung herab. Das Wesen der so an-. Wer nun religiös ist, der befasst sich nicht mit dem trügerischen Schein, nicht mit den eitlen Erscheinungen, sondern schaut das Wesen an, und hat in dem Wesen die - Wahrheit.

Die Wesen, welche aus den einen Erscheinungen sich ergeben, sind die bösen Wesen, und umgekehrt aus andern die guten. Das Wesen des menschlichen Gemütes z. Was zuerst für Existenz galt, wie Welt u. Nur diese verkehrte Welt, die Welt der Wesen, existiert jetzt wahrhaft. Die Wesen allein und nichts als die Wesen zu erkennen und anzuerkennen, das ist Religion: Der Drang, den Spuk fassbar zu machen, oder den Nonsens zu realisieren, hat ein leibhaftiges Gespenst zu Wege gebracht, ein Gespenst oder einen Geist mit einem wirklichen Leibe, ein beleibtes Gespenst.

Wie haben sich die kräftigsten genialsten Christenmenschen abgemartert, um diese gespenstische Erscheinung zu begreifen. Es blieb aber stets der Widerspruch zweier Naturen, der göttlichen und menschlichen, d. Seelenmarternder war noch nie ein Gespenst, und kein Schamane, der bis zu rasender Wut und, nervenzerreissenden Krämpfen sich stachelt, um ein Gespenst zu bannen, kann solche Seelenqual erdulden, wie Christen sie von jenem unbegreiflichsten Gespenst erlitten.

Der leibhaftige oder beleibte Geist ist eben der Mensch: Fortan graut dem Menschen nicht eigentlich mehr vor Gespenstern ausser ihm, sondern vor ihm selber: In der Tiefe seiner Brust wohnt der Geist der Sünde, schon der leiseste Gedanke und dieser ist ja selber ein Geist kann ein Teufel sein usw.

Mag auch der Leib verdorren, wenn nur der Geist gerettet wird: Der Mensch ist sich selbst ein Gespenst, ein unheimlicher Spuk geworden, dem sogar ein bestimmter Sitz im Leibe angewiesen wird Streit über den Sitz der Seele, ob im Kopfe usw.

Du bist Mir und Ich bin Dir kein höheres Wesen. Gleichwohl kann in jedem von Uns ein höheres Wesen stecken, und die gegenseitige Verehrung desselben hervorrufen.

Um gleich das Allgemeinste zu nehmen, so lebt in Dir und Mir der Mensch. So etwas beachteten die Alten nicht in ihren Sklaven, und das höhere Wesen: Dagegen sahen sie ineinander Gespenster anderer Art. Deshalb verehrten sie diesen Geist, und nur so weit er diesem oder auch einem ihm verwandten Geiste, z.

Nur um eines höhern Wesens willen ist man von jeher geehrt, nur als ein Gespenst für eine geheiligte, d. Du selbst mit Deinem Wesen bist Mir wert, denn Dein Wesen ist kein höheres, ist nicht höher und allgemeiner als Du, ist einzig wie Du selber, weil Du es bist. Aber nicht bloss der Mensch, sondern alles spukt. Gespenst in allen Winkeln! Hier wäre der Ort, die spukenden Geister vorüberziehen zu lassen, wenn sie nicht weiter unten wieder vorkommen müssten, um vor dem Egoismus zu verfliegen.

Daher mögen nur einige derselben beispielsweise namhaft gemacht werden, um sogleich auf unser Verhalten zu ihnen überzuleiten. Mensch, es spukt in Deinem Kopfe; Du hast einen Sparren zu viel! Du hast eine fixe Idee! Denke nicht, dass Ich scherze oder bildlich rede, wenn Ich die am Höheren hängenden Menschen, und weil die ungeheure Mehrzahl hierher gehört, fast die ganze Menschenwelt für veritable Narren, Narren im Tollhause ansehe.

Eine Idee, die den Menschen sich unterworfen hat. Erkennt Ihr an einer solchen fixen Idee, dass sie eine Narrheit sei, so sperrt Ihr den Sklaven derselben in eine Irrenanstalt. Und ist etwa die Glaubenswahrheit, an welcher man nicht zweifeln, die Majestät z.

Ist nicht alles dumme Geschwätz, z. Man taste einem solchen Narren an seine fixe Idee, und man wird sogleich vor der Heimtücke des Tollen den Rücken zu hüten haben. Denn auch darin gleichen diese grossen Tollen den kleinen sogenannten Tollen, dass sie heimtückisch über den herfallen, der ihre fixe Idee anrührt. Sie stehlen ihm erst die Waffe, stehlen ihm das freie Wort, und dann stürzen sie mit ihren Nägeln über ihn her.

Jeder Tag deckt jetzt die Feigheit und. Man muss die Tagesblätter dieser Periode lesen, und muss den Philister sprechen hören, um die grässliche Überzeugung zu gewinnen, dass man mit Narren in ein Haus gesperrt ist.

Wer es nie versucht und gewagt hat, kein guter Christ, kein gläubiger Protestant, kein tugendhafter Mensch usw. Unverrückbar, wie der Irrwahn eines Tollen, stehen jene Gedanken auf festem Fusse, und wer sie bezweifelt, der - greift das Heilige an!

Die Teufelsbesitzungen sind nicht die einzigen. Gott wirkt auf Uns, und der Teufel wirkt:. Besessene sind auf ihre Meinungen versessen. Ich setze hinzu, dass der vollkommene Enthusiasmus - denn bei dem faulen und halben kann man nicht stehenbleiben - Fanatismus heisst. Der Fanatismus ist gerade bei den Gebildeten zu Hause; denn gebildet ist der Mensch, soweit er sich für Geistiges interessiert, und Interesse für Geistiges ist eben, wenn es lebendig ist, Fanatismus und muss es sein; es ist ein fanatisches Interesse für das Heilige fanum.

Man beobachte unsere Liberalen, man blicke in die Sächsischen Vaterlandsblätter, man höre, was Schlosser sagt: Wenn man ihn fragt, ob er je daran gezweifelt habe, dass die Vermischung der Geschwister eine Blutschande sei, dass die Monogamie die Wahrheit der Ehe sei, dass die Pietät eine heilige Pflicht sei usw. Und woher dieser Schauder? Weil er an jene sittlichen Gebote glaubt. Dieser sittliche Glaube wurzelt tief in seiner Brust.

So viel er gegen die frommen Christen eifert, so sehr ist er dennoch selbst Christ geblieben, nämlich. In der Form der Sittlichkeit hält ihn das Christentum gefangen, und zwar gefangen unter dem Glauben. Die Monogamie soll etwas Heiliges sein, und wer etwa in Doppelehe lebt, der wird als Verbrecher gestraft; wer Blutschande treibt, leidet als Verbrecher.

Hiermit zeigen sich diejenigen einverstanden, die immer schreien, auf die Religion solle im Staate nicht gesehen werden, und der Jude Staatsbürger gleich dem Christen sein. Ist jene Blutschande und Monogamie nicht ein Glaubenssatz?

Man rühre ihn an, und man wird erfahren, wie dieser Sittliche eben auch ein Glaubensheld ist, trotz einem Krummacher, trotz einem Philipp II. Diese fechten für den Kirchenglauben, er für den Staatsglauben, oder die sittlichen Gesetze des Staates; für Glaubensartikel verdammen beide denjenigen, der anders handelt, als ihr Glaube es gestatten will. Der sittliche Glaube ist so fanatisch als der religiöse!

Die Eiferer für etwas Heiliges sehen einander oft gar wenig ähnlich. Und doch wie gar nichts Wesentliches enthält die Differenz. Rüttelt man an einzelnen althergebrachten Wahrheiten z. Wunder, unumschränkte Fürstengewalt usw. Rüttelt man aber an der Wahrheit selbst, so hat man gleich beide als Gläubige zu Gegnern.

Aber wer die Sittlichkeit selbst angreift, der bekommt's mit beiden zu tun. Allerdings setzt sich der Ketzer gegen den reinen Glauben nicht mehr der früheren Verfolgungswut aus, desto mehr aber gilt es jetzt dem Ketzer gegen die reine Sitte. Und doch sind fast immer nur sittliche Gegner auf der Mensur erschienen, um das höchste Wesen anzufechten zu Gunsten eines - andern höchsten Wesens.

So sagt Proudhon ungescheut: Wer würde es heute wagen, die Moral anzugreifen? Um ein höchstes Wesen handelt es sich bei beiden, und ob dasselbe ein übermenschliches oder ein menschliches sei, das kann. So wäre es denn genauer gesprochen so: Aber gerade alles dasjenige, was das Christentum und mit ihm die spekulative Philosophie, d.

Theologie als das Gute, das Absolute offeriert, ist in der Eigenheit eben nicht das Gute oder, was dasselbe sagt, es ist nur das Gute , mithin würde durch die Verwandlung des Prädikats in das Subjekt das christliche Wesen und das Prädikat enthält ja eben das Wesen nur noch drückender fixiert. Der Gott und das Göttliche verflöchte sich um so unauflöslicher mit Mir. Das Göttliche ist das wahrhaft Menschliche! Dieselben Leute, welche dem Christentum als der Grundlage des Staates, d. So kann hier beiläufig der aufklärenden Richtung gedacht werden, die, nachdem die Theologen lange darauf bestanden hatten, nur der Glaube sei fähig, die Religionswahrheiten zu fassen, nur den Gläubigen offenbare sich Gott usw.

Was heisst das anders, als dass auch die Vernunft darauf Anspruch machte, dieselbe Phantastin zu sein wie die Phantasie. Es musste dahin kommen, dass der ganze Mensch mit allen seinen Fähigkeiten sich als religiös erwies; Herz und Gemüt, Verstand und Vernunft, Fühlen, Wissen und Wollen, kurz alles am Menschen erschien religiös. Hegel hat gezeigt, dass selbst die Philosophie religiös sei. Und was wird heutiges Tages nicht alles Religion genannt? So ist's auch in der Tat.

Gebunden bleiben Wir allerdings, soweit die Religion unser Inneres einnimmt; aber ist auch der Geist gebunden? Im Gegenteil, der ist frei, ist alleiniger Herr, ist nicht Unser Geist, sondern absolut. Darum wäre die richtige affirmative Übersetzung. Bei wem der Geist frei ist, der ist gerade in derselben Weise religiös, wie derjenige ein sinnlicher Mensch heisst, bei welchem die Sinne freien Lauf haben. Jenen bindet der Geist, diesen die Lüste.

Gebundenheit oder religio ist also die Religion in Beziehung auf Mich: Ich bin gebunden; Freiheit in Beziehung auf den Geist: Wie übel es Uns bekommt, wenn frei und zügellos die Lüste mit Uns durchgehen, davon wird Mancher die Erfahrung gemacht haben; dass aber der freie Geist, die herrliche Geistigkeit, der Enthusiasmus für geistige Interessen, oder wie immer in den verschiedensten Wendungen dies Juwel benannt werden mag, Uns noch ärger in die Klemme bringt, als selbst die wildeste Ungezogenheit, das will man nicht merken, und kann es auch nicht merken, ohne bewussterweise ein Egoist zu sein.

Reimarus und alle, welche gezeigt haben, dass auch Unsere Vernunft, Unser Herz usw. Freilich ärgerten sie die Theologen, denen sie das Privilegium der religiösen Erhebung nahmen, aber der Religion, der Geistesfreiheit eroberten sie dadurch nur noch mehr Terrain. Denn wenn der Geist nicht länger auf das Gefühl oder den Glauben beschränkt ist, sondern auch als Verstand, Vernunft und Denken überhaupt sich, dem Geiste, angehört, also auch in der Form des Verstandes usw.

Denn das Prinzip der neben der Frömmigkeit nicht bloss beihergehenden, sondern auf eigenen Füssen stehenden Sittlichkeit liegt nicht mehr in den göttlichen Geboten, sondern im Vernunftgesetze, von welchem jene, soweit sie noch gültig bleiben sollen, zu ihrer Gültigkeit erst die Berechtigung erwarten müssen. Frömmigkeit und Sittlichkeit scheiden sich darin voneinander, dass jene Gott, diese den Menschen zum Gesetzgeber macht.

Von einem gewissen Standpunkte der Sittlichkeit aus räsoniert man etwa so: Entweder treibt den Menschen seine Sinnlichkeit, und er ist, ihr folgend, unsittlich, oder es treibt ihn das Gute, welches, in den Willen aufgenommen, sittliche Gesinnung Gesinnung und Eingenommenheit für das Gute heisst: Wie lässt sich von diesem Gesichtspunkte aus z.

Was man so unter uneigennützig versteht, das war sie doch gewiss in demselben Masse als unter anderem die Diebereien des heiligen Crispin zu Gunsten der Armen. Du sollst nicht morden! Ihr könntet dem Prinzip der Sittlichkeit nach, welches befiehlt, dem Guten zu dienen, doch nur fragen, ob der Mord nie und nimmer eine Verwirklichung des. Ihr könnt die Tat Sands gar nicht verdammen: Was war am Ende sein Unterfangen anders gewesen, als dass er Schriften durch rohe Gewalt unterdrücken wollte?

Und Was lässt sich aus Eurem Prinzip der Sittlichkeit dagegen einwenden? So räumt Ihr ein, dass das Gute nichts anders ist, als das - Gesetz, die Sittlichkeit nichts anders als Loyalität. Denn bei dieser bedurfte es nur der Tat, Ihr aber braucht auch die Gesinnung: Auch die letzte Heiterkeit des katholischen Lebens muss in dieser protestantischen Gesetzlichkeit zu Grunde gehen. Hier endlich erst vollendet sich die Gesetzesherrschaft.

Warum wollen gewisse Oppositionen nicht gedeihen? Lediglich aus dem Grunde, weil sie die Bahn der Sittlichkeit oder Gesetzlichkeit nicht verlassen wollen. Daher die masslose Heuchelei von Ergebenheit, Liebe usw. Nun soll aber nach der bisherigen Praxis und dem alten Vorurteil der Opposition das sittliche Verhältnis vor allem bewahrt werden.

Was bleibt da der Opposition übrig? Etwa dies, eine Freiheit zu wollen, wenn der Geliebte sie abzuschlagen für gut findet? Was sollte daraus werden, wenn die Opposition wirklich wollte, wollte mit der vollen Energie des Willens? Die Liebe, Ergebenheit usw. Ob dieser Wille für vernünftig oder für unvernünftig gelte: Der Wille, der die Zensur gebietet, scheint Vielen unvernünftig; wer aber sein Buch im Lande der Zensur dieser unterschlägt, der handelt unsittlich, und wer ihr's vorlegt, handelt sittlich.

Quittierte einer sein sittliches Urteil, und errichtete z. Das Gewebe der heutigen Heuchelei hängt an den Marken zweier Gebiete, zwischen denen Unsere Zeit herüber und hinüber schwebt und ihre feinen Fäden der Täuschung und Selbsttäuschung anklebt. Nicht mehr kräftig genug, um zweifellos und ungeschwächt der Sittlichkeit zu dienen, noch nicht rücksichtslos genug, um ganz dem Egoismus zu leben, zittert sie in dem Spinnennetze der Heuchelei bald zur einen.

Kurz man möchte das Eine haben, aber das Andere nicht entbehren: Ihr werdet jedes Wort der Freiheit mit einem Blick des loyalsten Vertrauens versüssen, und er wird seinen Servilismus in die schmeichelndsten Phrasen der Freiheit kleiden. Dann geht Ihr auseinander, und er wie Ihr denkt: Ich kenne Dich, Fuchs!

Er wittert an Euch so gut den Teufel, als Ihr an ihm den alten finstern Herrgott. Die Guten sehen in ihm einen Erzbösewicht und delegieren ihn der Hölle. Warum hinderte ihn nichts in seinen Willkürlichkeiten? Warum liess man sich so viel gefallen? Waren etwa die zahmen Römer, die von einem solchen Tyrannen sich allen Willen binden liessen, um ein Haar besser?

Im alten Rom hätte man ihn augenblicklich hingerichtet, wäre nie sein Sklave geworden. Nero war nicht schlimmer als seine Zeit, in der man nur eins von beiden sein konnte, gut oder böse.

Seine Zeit musste von ihm urteilen: Alle Sittlichen können nur dieses Urteil über ihn fällen. Schurken, wie er war, leben heute noch mitunter fort siehe z. Memoiren des Ritters von Lang inmitten der Sittlichen. Bequem lebt sich's allerdings unter ihnen nicht, da man keinen Augenblick seines Lebens sicher ist; allein lebt man unter den Sittlichen etwa bequemer?

Die derbe Faust der Sittlichkeit geht gar unbarmherzig mit dem edlen Wesen des Egoismus um. Also in praxi habt Ihr Mir nichts vorzuwerfen. So gilt auch vor der Eigenheit der sittliche Pharisäer so viel als der unsittliche Sünder.

Nero wurde durch seine Besessenheit sehr unbequem. Die das tun, verdienen ausgelacht zu werden, wie's ihnen wirklich geschieht, wenn sie nicht eigentlich doch, sei's auch unbewusst, den zum Ziele führenden Weg einschlügen. Sie ahnen es, dass, wenn nur erst die Mehrzahl für jene Freiheit gewonnen ist, sie auch dieselbe wollen und dann nehmen wird, was sie haben will. Die Heiligkeit der Freiheit und alle möglichen Beweise dieser Heiligkeit werden sie niemals verschaffen: Darum kann der Sittliche niemals den Egoisten verstehen.

Ist nicht unehelicher Beischlaf eine Unsittlichkeit? Der Sittliche mag sich drehen, wie er will, er wird bei diesem Ausspruch bleiben müssen; Emilia Galotti liess für diese sittliche Wahrheit ihr Leben. Und es ist wahr, es ist eine Unsittlichkeit. Ein tugendhaftes Mädchen mag eine alte Jungfer werden; ein tugendhafter Mann mag die Zeit damit hinbringen, sich mit seinen Naturtrieben herumzuschlagen, bis er sie vielleicht verdumpft hat, er mag sich um der Tugend willen verschneiden wie der heilige Origenes um des Himmels willen: Unkeuschheit kann nie zu einer sittlichen Tat werden.

Mag der Sittliche den, der sie beging, auch noch so nachsichtig beurteilen und entschuldigen, ein Vergehen, eine Sünde wider ein sittliches Gebot. Wie die Keuschheit einst zum Ordensgelübde, so gehört sie zu sittlichem Wandel. Keuschheit ist ein - Gut. Was folgt nun für das Urteil des Sittlichen hieraus? Dies, dass er den Egoisten in die einzige Klasse von Menschen wirft, die er ausser den sittlichen Menschen kennt, in die der - Unsittlichen.

Er kann nicht anders, er muss den Egoisten in allem, worin dieser die Sittlichkeit nicht achtet, unsittlich finden. Fände er ihn nicht so, so wäre er eben schon der Sittlichkeit abtrünnig geworden, ohne sich's zu gestehen, er wäre schon kein wahrhaft sittlicher Mensch mehr. Oft sind die Leute schon weiter, als sie sich's zu gestehen getrauen.